Autor: Gustav the Basset

Bürohund-Alltag: So klappt es.

Letzte Woche hat meine Hundemama ihre zweite Corona-Schutz-Impfung bekommen. Das heißt in wenigen Tagen ist sie vollständig geschützt und wir können nach fast zwei Jahren Homeoffice endlich wieder zurück in unser altes Leben. Wohoo. Ich bin dann also wieder ein richtiger Bürohund und zwar mit allem, was dazu gehört.

Ich freu mich indes sehr für Mama, denn ich weiß, wie sehr sie vieles vermisst hat. Ich als Hund bin ja immer begnügsamer und glücklich so lange meine Mama in der Nähe ist. Ich verstehe aber auch, dass sie gerne ins Büro geht, sich dort mit Leuten trifft und nicht nur per Zoomcall kommunizieren möchte. Ich glaube aber, sie freut sich auch darüber, endlich mal wieder Gründe zu haben, sich ein bisschen aufzubretzeln. Nicht, dass sie zuhause nicht ordentlich aussah. Aber ihr wisst schon, so mit Kleidchen und hohen Schuhen und so.

Auch für mich ist der Schritt zurück ins Büro nicht ganz einfach. Schließlich ist der Trubel dort ein anderer, als ich ihn in den vergangenen Monaten genossen habe. Ihr wisst ja, wir Hunde finden es herrlich viel zu chillen. Ob das im Büro immer so funktioniert, müssen wir sehen.

Ich glaube, viele Hundehalter sind just in der gleichen Situation, wie wir. Nicht wahr? Wir haben uns daher mit einer Bürohund-Expertin zusammengesetzt und eine ganze Podcastfolge nur zu dem Thema aufgenommen. Inga Mücke ist ihr Name. Sie ist wie meine Hundemama in der Kommunikationsbranche unterwegs und arbeitet bereits seit über sechs Jahren mit ihrem Hund Niko zusammen. Auch über die Pandemiezeit hindurch haben sie das gewuppt. Niko und Inga haben also jede Menge Erfahrungen in dem Bereich. Über all diese haben sie sogar gemeinsam mit Nina Miltner ein Buch geschrieben, dass ihr hier kostenfrei runterladen könnt.

Darin findet ihr auch jede Menge Tipps für Arbeitgeber, aber auch Kollegen, die nicht so offen für Tiere im Büro sind. Denn das ist Inga ganz wichtig. Es gibt verschiedene Seiten beim Thema Bürohund, die alle bedacht werden müssen.

An erster Stelle steht für uns und unsere Hundeeltern natürlich immer, dass wir es guthaben. Nichts ist schlimmer, als wenn wir uns unwohl fühlen. Ich weiß, Bürohunde bringen immer viel Ausgeglichenheit in den Büroalltag. Dazu gehört aber auch, dass wir als Fellnasen ausgeglichen sein können. Nur dann können wir diese große Aufgabe auch meistern.  Daher kommt hier einmal eine Doggy-Wohlfühl-Büro-Checkliste für Euch zum Abhaken:

  • Ein Platz zum Chillen für uns Fellnasen
  • Klare Regeln, wann die Kollegen an unseren Chillplatz zum Streicheln kommen dürfen und wann nicht
  • Ein Napf zum Trinken
  • Klare Regeln, was wir dürfen und was nicht
  • Spielsachen zum Zeitvertreiben
  • Lautes Spielen mit anderen Pawfriends nur nach Rücksprache mit den Kollegen
  • Der Postbote ist nicht zum Fressen da (Taschen, Schuhe und Pakete auch nicht)
  • Eine Haftpflichtversicherung, falls doch mal was kaputt geht

 

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Hier kommst Du direkt zur Podcastfolge

Im Gespräch mit Inga wird schnell klar, dass die aktuelle Erwartungshaltung an uns Bürohunde groß ist. Wir sind wie eine kleine It-Piece, was das Unternehmen fancyer macht und dafür sorgen soll, dass alle glücklich sind. Das stimmt tatsächlich auch, denn unsere große Kunst ist eben Euch Menschen zu erden und zum Lächeln zu bringen. Bitte vergesst dabei aber nicht, dass auch wir unterschiedliche Bedürfnisse haben. Es ist eben nicht jeder Tag und Hund gleich. Es muss daher ganz individuell geschaut werden, was geht und was nicht. Und zwar von jedem Hundehalter für sich.

 

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Bei Fragen oder auch Problemen kann ein Gang zum Tiertrainer helfen, um den Arbeitsalltag noch besser zu gestalten. Da werden in Zukunft sicher auch viele Unternehmen Fragen haben, wie sie das mit mehreren Bürohunden händeln können. Die meisten Trainer kosten zwischen 70 und 90 Euro (netto) pro Stunde. Das ist zwar viel Geld, aber nicht unmöglich zu bezahlen.

Wir haben aber auch in unseren Recherchen, ein Angebot entdeckt, dass einen „zertifizierten Integrationsexperten für die Zulassung von Bürohunden in Unternehmen“ ausbilden möchte. So ein Zertifikat klingt natürlich sehr beeindruckend, aber noch viel mehr nach deutscher Bürokratie. Braucht man das wirklich? Und vor allem wie kann man ein Experte innerhalb von wenigen Tagen werden?

Der Kurs kostet über 1600 Euro und auf der Webseite wird nicht ersichtlich, was genau dort enthalten ist. Auch auf Nachfragen hat der Verband nicht reagiert. Das ist schade, deckt sich aber mit meiner Meinung von oben, dass wir It-Pieces wären. Dog in statt Burn out, ist der Slogan, mit dem dort groß geworben wird. Hui, ganz schön viel Last für uns Fellnasen.

Ich kann Euch sagen, wir sind keine Wunderheiler und auch wir haben unsere Bedürfnisse. Wir brauchen kein Zertifikat, kein superstylisches Büro oder ähnliches, sondern eigentlich nur unseren Menschen, der uns sieht, wie wir sind und aufpasst, dass es uns gutgeht. Bitte habt das im Hinterkopf, wenn auch Euer Hund zeitnah mit ins Büro kommt.

Ich freu mich auf jeden Fall schon sehr auf die neue alte Zeit. Das wird wieder Spaß machen, dem Postboten jeden Tag zu begrüßen, Leckerlis unterm Tisch abzustauben und am Jungfernstieg herumzupieseln.

Kommt gut durch den Tag.

Ahoi,

Gustav

Bildquelle: Tatjana Rößler