Autor: Gustav the Basset

Was Du über Haustierbestattung wissen solltest

Für Pepe.

Es gibt ja Dinge über die spricht man nicht so gerne. Die Steuererklärung zum Beispiel oder steigende Corona Zahlen. Alles Hmh-Themen. Noch schlimmer ist allerdings der Tod. Nur zu gerne verdrängen wir unsere eigene Endlichkeit. Dabei ist es unausweichlich, dass dieses Thema eines Tages auf jeden von uns zukommen wird. Da beißt die Maus einfach keinen Faden ab.

Vor ein paar Wochen ist ein lieber Hundekumpel eingeschlafen. Alles ging ganz schnell und kam völlig aus dem Nichts. Seine armen Hundeeltern mussten daher sehr kurzfristig auf Wiedersehen sagen. Diesen Kummer mag ich mir nicht ausmalen. Am einen Tag ist es noch so und am nächsten ganz anders. Seitdem rattert es auch in dem Kopf meiner Hundemama. Was wäre wenn …??

Selbstverständlich hoffen wir beide, dass ich noch sehr lange bei ihr bleiben kann. Aber wir finden auch, dass man sich ruhig damit befassen sollte. Nicht um in ständiger Angst zu leben, sondern um einen Plan zu haben, den man rausholen kann, wenn es so weit ist.

Klingt das komisch? Nicht oder, denn Tschüss sagen braucht viel Kraft. Wer will sich schon in so einer Zeit mit Formalien beschäftigen?

Wir haben daher Arndt Nietfeld angeschrieben und gefragt, ob er für eine meiner Podcastfolgen Rede und Antwort stehen könnte. Arndt ist der Chef vom Rosengarten, einem Tierbestattungsinstitut für Haustiere. Das ist auf den ersten Blick eines der merkwürdigsten Berufe überhaupt, nicht wahr? Ob das auf Arndts Berufswunschliste stand, als er noch klein war, wage ich zu bezweifeln. Und trotzdem wird schnell klar, wie wichtig sein Job für Hunde- und Katzeneltern geworden ist. Schließlich sind wir Familienmitglieder, die viel Zeit mit Euch Menschen verbringen. Wir sind der Pawtner in crime, der Euch jeden Tag zum Lachen bringt, für ausreichend Bewegung sorgt und immer an Eurer Seite ist. Kein Wunder also, dass sich immer mehr Menschen wünschen, dieser Beziehung auch über den Tod hinaus gerecht zu werden. Das kann uns auch Arndt in unserer Podcastfolge bestätigen.

Hier kommst Du direkt zum Podcast

Als wir ihn per Videocall treffen, sind Mama und ich überrascht, wie jung er ist. In meinem Kopf hatte ich eher einen grauhaarigen älteren Herrn in Pollunder erwartet; aber Pustekuchen. Arndt ist Anfang 30 und hat vor wenigen Jahren das Familienunternehmen übernommen. Natürlich hatte er tatsächlich nicht geplant Tierbestatter zu werden. Das hätte mich auch gewundert. Der Grund für den Rosengarten ist tatsächlich ein ganz einfacher: Als sein Papa 2002 mit dem Tierkrematorium gestartet hat, gab es so was schlichtweg nicht. Man konnte uns nur Fellnasen im eigenen Garten vergraben. Manche haben ihre Tiere aber auch einfach in den Mülleimer geworfen. Nicht weil sie es wollten, sondern weil es eben kaum Möglichkeiten gab, es anders zu tun. Eine Tierbestattung im Wald ist nämlich nicht erlaubt und es hat nun mal nicht jeder gleich ein Haus mit Grundstück.

Infokasten: Wie dürfen Haustiere in Deutschland beerdigt werden?

  • Wir Haustiere dürfen in vielen Bundesländern unter bestimmten Auflagen im eigenen Garten begraben werden
  • Durch eine Einäscherung in einem Tierkrematorium; Dein Tier kannst Du dann in einer Urne mit nach Hause nehmen.
  • Auf einem Tierfriedhof
  • Bestattung über den Tierarzt. Wenn es keine Anweisungen von den Haltern gibt, gibt der Arzt den Körper weiter an eine sogenannte Tierkörperverwertung.
  • Haustiere können auch gemeinsam mit ihrem Menschen bestattet werden

Die ganze Familie Nietfeld sind selbst liebevolle Hundeeltern. Jeder Verlust tut weh und braucht einen Raum zum Trauern wissen sie. Mit diesem lieben Gedanken – einen Ort zum Tschüss sagen zu geben – ist also der Rosengarten vor vielen Jahren entstanden. Heute ganz normal, wenn ihr aber an früher denkt, wo es unvorstellbar war, dass wir sogar im Bett mit Euch kuscheln konnten und stattdessen auf dem Hof Wache gehalten haben, sieht es schon anders aus. Es zeigt auch, wie stark sich die Haustier-Mensch-Bindung verändert hat. Das freut mich so, denn ich finde das Bett viel gemütlicher als draußen vor der Tür zu sitzen.

Infokasten Rosengarten

  • Kleinkrematorium und Bestattungsinstitut für Haustiere
  • Familienbetrieb mit einem großen Herz für Tiere
  • Mehrere Filialen in ganz Deutschland
  • Dekra Zertifiziert
  • Jedes Tier wird mit seinem Namen angesprochen
  • Das Wohl der Kunden steht an oberster Stelle

So, ihr merkt schon, dass dieses Thema zwar schwer, aber in den guten Tagen leichter zu händeln wäre als in den weniger Guten. Heute war so ein guter Tag. Arndt hat uns ganz viel Angst genommen, aber auch das Vorurteil, dass sein Job tieftraurig sei.  Das stimmt so nicht, denn Arndt hat uns zum Ende folgendes mitgegeben: Zum Sterben gehört nämlich immer auch ein richtig cooles und schönes Leben davor. Das gilt es zu genießen, und zwar in vollen Zügen. Wenn das kein Grund zum Fröhlichsein ist. Ich habe mir also folgendes vorgenommen:

  • Als leidenschaftlicher Gourmet zelebriere ich jede Mahlzeit als ein waschechtes Galadinner. Es ist einfach zu köstlich, um es nur hinunterzuschlingen.
  • Ich möchte mit Mama kuscheln, wann immer es geht. Besonders das Aufwachen am Morgen ist soooooo schön. Wir liegen einfach ganz still zusammen und tun nix. Herrlich.
  • Wasser, Wald und Wiesen schnüffeln ist eh schon der Hit, aber bestimmt kann man da noch mehr entdecken.
  • Ich möchte noch mehr Hundefreunde auf der ganzen Welt haben. Instagram und TikTok können mir dabei bestimmt helfen. Es war so schön während der strengen Coronazeit zu sehen, dass wir nicht allein sind.
  • Mama braucht auf jeden Fall ein Haus mit Garten. Das wünscht sie sich schon so lange und ich helfe ihr bei der Suche, um es dann gemeinsam mit ihr einzurichten.
  • Ein Geschwisterchen wäre auch noch cool. Eine Miniversion von mir, der ich Dummheiten beibringen kann. Hehe^^, das wird ein Spaß.

Es gibt also noch viel zu tun, in diesem richtig coolen und schönen Leben. Hinter jedem Baum steckt ein Abenteuer und ich möchte keines davon verpassen.

Danke, lieber Arndt. Es hat Spaß gemacht mit Dir. Ich hoffe dennoch sehr, dass ich Dich erst sehr viel später wiedersehen. 😊