Autor: Meine Hundemama

Vor ein paar Tagen haben wir Gustavs dritten Gotchaday gefeiert. Drei Jahre ist der kleine Mann nun schon bei mir und hat mit seinem Charme alles Vorherige kräftig herumgewirbelt. Ich werde immer ganz rührselig, wenn ich an unsere ersten Tage und Wochen zurückdenke; er war so ein kleines Häuflein Hund. Mit acht Wochen und süßen acht Kilo ist Gustav zu mir gezogen. Aus heutiger Sicht viel zu früh. Er war einfach noch nicht so weit seine Geschwisterchen zu verlassen. Aber wenn der Züchter sagt „Abholen“, dann holt man den Kleinen.

Auf der Fahrt dorthin war ich so aufgeregt, dass wir mehrfach anhalten mussten, damit ich Luft schnappen konnte. Zu groß war die Angst, irgendwas würde schiefgehen. Aber es ging nichts schief. Frisch gebadet und total schläfrig vom vielen Spielen bekam ich Gusti in den Arm gelegt. „Vergessen sie nicht streng zu sein“, waren die letzten Worte, die die Züchterin mir mit auf den Weg gab. Und dann sind wir einfach so ins Auto gestiegen und als kleine Familie zurückgefahren. Die Verantwortung darüber wurde mir erst in den kommenden Wochen so richtig bewusst. Davor ging es eher immer um, Oh Gott er braucht ein Bettchen, wie organisiere ich die Hundeelternzeit, hoffentlich stimmt der Vermieter noch zu usw.

Und dann ist er wirklich da. Alles ist neu sowohl für ihn als auch für mich. Jedes Geräusch ist anders, jedes Fiepen fremd. Man kennt sich halt einfach überhaupt nicht. Hilflos schauen wir uns immer wieder an. Und was nun? Keine Ahnung. Ich wusste es einfach nicht.

Ich habe Gustav erstmal ankommen lassen. In jedem Ratgeber stand, dass es normal sei, dass der Hund zu Beginn weint. Mein Herz ist trotzdem jedes Mal gebrochen. Was ist, wenn ich doch keine gute Hundemama bin, etwas falsch mache und er aus Versehen stirbt? Kein Scherz, genau das waren meine Gedanken: Gustav könnte durch mein Verschulden sterben. Nie waren absolutes Glück und totale Panik so dicht beieinander.

Was ist, wenn ich doch keine gute Hundemama bin, etwas falsch mache und er aus Versehen stirbt?

Ich habe vor ein paar Wochen mit ein anderen Hundeeltern über meine anfänglichen Ängste gesprochen. Sie alle hatten die gleichen Befürchtungen. Ich glaube übrigens, Menscheneltern geht es auch so. Das ist zwar heute beruhigend, hilft in dem Moment aber überhaupt nicht. Da ist man in seinem Kosmos mit einem Baby, das weint und selbst eine unerfahrene Hundemama.

Aber gut, ich hatte bewusst so lange gewartet und wollte unbedingt richtig „Erwachsen sein“ bevor, ich einen Hund habe. Erwachsen sein bedeutet für mich eben auch Dingen gewachsen zu sein. Mit Mitte zwanzig war ich das nicht. Da hatte ich ganz andere Sachen im Kopf. Ich war im Studium, habe nur gearbeitet und war trotzdem auf tausend Partys.  Mit Mitte dreißig – also viele Partys später – bin ich das schon eher und trotzdem war es eine Herausforderung.

Die Herausforderung haben wir mittlerweile prima gemeistert. Gustav ich sind ein eingeschworenes Team und echte pawtner in crime, wie es so schön heißt. Er ist tatsächlich genauso, wie ich ihn mir immer gewünscht habe und auch unser Zusammenleben besser als jemals gedacht. Keine Spur mehr von Ängsten. Er ist quicklebendig, wächst und gedeiht.

Den wichtigsten Tipp, um den Alltag mit Hund zu wuppen, gebe ich Euch aber liebend gern weiter. Ich habe ihn von Gustavs großartiger Tierärztin bekommen, die auch Tierheilpraktikerin ist. Als Gusti nach seinem Einzug anfing mit den Zähnen zu knirschen, wusste ich, wir brauchen Hilfe. Irgendwas stresste meinen kleinen Schatz so sehr und das wollte ich nun wirklich nicht.

Mit seinen tapsigen 10 Wochen sind wir also raus nach Blankenese und in den Garten der Tierarztpraxis gefahren. Ich vergesse nie, wie viel Zeit Frau Dr. Volkmann sich genommen hat. Es war Ende Mai und schon super warm draußen. Die Vögel haben gezwitschert und mittendrin in dieser Idylle ein Babybasset und seine müde Hundemama. Frau Dr. Volkmann hat sich fast zwei Stunden Zeit genommen. Sie war wie eine Hebamme, die man endlich alles fragen konnte, was einem auf der Seele brannte. Und das war eine Menge. Mach ich alles richtig, ist er gesund, was ist mit den Zähnchen, wie mache ich seine Ohren sauber, Hilfe Krallen schneiden. Lach^^ Es war eine lange Liste und sie hat geduldig alles gezeigt, erklärt und geschaut.

Höre immer auf Dein Bauchgefühl. Nur Du kennst Deinen Hund am allerbesten. Und nur Du weißt, was er braucht und ihm guttut.

Gusti ging es fantastisch. Natürlich ist die Eingewöhnung Stress, aber das ist völlig normal. Frau Dr Volkmann meinte außerdem, ich solle immer auf meinen Bauch hören. Nur ich kenne meinen Hund am allerbesten. Ich weiß, was er braucht und ihm guttut. (Umgekehrt ist es übrigens genauso). Soll heißen, ich solle mir mehr vertrauen als jedem anderen. Und das tue ich bis heute. Eine Hund-Mensch-Beziehung ist etwas ganz besonderes, das sich nicht in Worte beschreiben lässt. Egal, was daher auf uns zukommt, ich höre auf meinen Bauch. Das geht tief in unseren Alltag hinein und hat von da an vieles erleichtert. Genau das möchte ich Euch gerne mitgeben. Kein Ratgeber kann das, was ihr könnt. Es hat etwas Magisches und wird mit jedem Tag intensiver.

Bildquelle: Jeremy Moeller