Autor: Meine Hundemama

Oh Gott, was habe ich getan?

DogMom Kolumne

Ich sag’s gleich vorweg: ich habe ordentlich Muffensausen. Die Entscheidung nach vergeblicher Wohnungssuche all sein Hab und Gut irgendwo unterzustellen und dann mal eben so mit Hund durch Deutschland zu reisen, klang in der Vorstellung schöner, als es aktuell ist. Dabei ist es noch gar nicht richtig losgegangen.

Aber mal ganz von vorne, denn für alle, die es noch nicht gelesen haben: Gustav und ich sind ab sofort Digitale Nomaden. Wir haben kein festes zuhause mehr, sondern ziehen alle paar Wochen in einen anderen Ort, um dort zu arbeiten, leben und die Gegend zu erkunden. Das ist der Plan und genauso werden wir es umsetzen.

Hui, aber ganz so selbstbewusst, wie ich das hier niederschreibe, bin ich die Hälfte des Tages gar nicht. Das Gegenteil ist der Fall, denn immer wieder kommen Zweifel in mir hoch, ob das Ganze nicht ein riesengroßer Fehler war. Ich meine, wer kommt schon auf die Idee im Winter, direkt nach einer weltweiten Pandemie durchs Ländle zu ziehen?

Ich anscheinend.

Dabei bin ich eigentlich sehr auf ein zuhause bedacht und seit vielen Jahren auf der Suche nach einem richtigen Heim. Eins wo alle gemeinsam zu Abend essen können, Weihnachten feiern, Erinnerungen schaffen und Heckenrosen züchten. Ich übertreibe ein bisschen, aber eigentlich auch nicht. Denn genau das haben wir nie gefunden.

Wenn ich an unsere letzten Wohnungen zurückdenke, waren die zwar alle immer äußerlich sehr schön, aber innerlich unglaublich kräfteraubend. Glaubt mir, wir haben einiges mitgemacht:

  • Einen stalkenden Hausmeister zum Beispiel, dem auch die Polizei keinen Einhalt geben kann und konnte.
  • Unzählige Gefahr in Verzug-Meldungen, weil es keinen Brandschutz oder funktionierende Gasthermen gibt.
  • Nicht zu vergessen, der Wasserrohrbruch weil die Leitungen nicht vom Fachmann verlegt worden sind.
  • Wir haben zwei Einbrüche unseres Vermieters hinter uns, der einfach ohne Grund in der Wohnung stand und sich wunderte, warum wir ihn nicht herzlich empfangen würden. Er wäre doch so ein netter älterer Mann.
  • Oh, auch gut, waren die vom Vermieter beauftragten nachbarschaftslichen Spione, die akribisch und schriftlich festhielten, was wir jungen Leute im Haus den ganzen Tag tun. Mit Notizblock wurde genau festgehalten, wer, wann kommt und geht, welche Päckchen reinflattern und was für Müll wieder rausgeht.
  • Wir hatten sogar mal einen Vermieter, der sich totstellte, nachdem die Baubehörde eines Montagmorgens unerwartet am Telefon war und uns darüber informierte, dass das Gebäude einsturzgefährdet ist.

Nein, ich übertreibe nicht. Leider! Ich könnte die Liste sogar noch endlos erweitern und würde da nicht mal, die vielen Anfeindungen gegen mich als Frau oder was ich beruflich mache erwähnen müssen. Deutschlands Vermieter im 21. Jahrhundert; ein absolutes Trauerspiel.

Wir hatten also gelinde gesagt, immer richtig Pech mit unseren Wohnungen. Daher ist es nun glaube ich auch logisch, dass wir so was NIE WIEDER möchten. Vor der Entscheidung hatten wir also die Wahl zwischen Weiterjammern und unglücklich sein (hinzu kommt, dass man dafür ja auch viel Miete bezahlen muss) oder wir ziehen los und nutzen die Zeit anders. Wir haben uns für Letzteres entschieden und einen Weg gefunden, das Zuhause-Gefühl mitzunehmen. Dieser Gedanke macht unglaublich frei, nicht wahr?

Unabhängigkeit und Freiheit sind Wörter, die heutzutage viel zu inflationär verwendet werden. Ich mein, wer ist das schon wirklich unabhängig? Wir haben doch alle unsere „Fesseln“.

Gustav und ich wagen jetzt einfach mal den großen Sprung ins kalte Wasser. Und was soll auch passieren? Das ist das, was ich mir immer wieder ins Gedächtnis rufe, wenn die trüben Gedanken nicht verschwinden möchten. Wir werden tolle Orte und Menschen kennenlernen, dabei viele Eindrücke bekommen und das Beste, unsere liebsten Dinge sind die ganze Zeit bei uns. Denn was wir gleich gemerkt haben ist, was für wenige ausgewählte Sachen wir wirklich zum Heimeligfühlen brauchen. Es sind tatsächlich eher Rituale in unserem Alltag, die uns genau das Gefühl geben. Das gemeinsame Abendessen kochen zum Beispiel. Das ist Gustis und mein liebster Part jeden Tag, wo wir zusammen Gemüse schnippeln, Gusti nascht immer schon ein bisschen, wir tanzen, schauen Netflix-Filme und genießen einfach uns. Wenn dieser Teil wegfallen würde, wäre das ein größerer Verlust, als all unsere verstauten Möbel samt der persönlichen Dinge darin.

Von daher bin ich die andere Zeit des Tages freudig und voller Erwartungen auf dieses besondere Abenteuer. Ich bin aber auch ein bisschen stolz auf uns beide. Ich weiß nämlich die meisten hätten anders gehandelt. Weiter viel Geld gezahlt und sich jeden Abend über die Gemeinheiten geärgert. Genau das möchte ich aber nicht mehr tun. Der Preis ist einfach zu hoch.

Ich weiß, unser Häuschen wird uns ganz bald finden. Gustav hat auch schon mehrfach gezeigt, wie gern er einen Garten hätte. Den soll er kriegen, so wie alles andere auf seiner Wunschliste. Das hat er nämlich verdient und ich auch.

Bildquelle: Jeremy Moeller